Unerwünschte Anrufe und Betrugsversuche am Telefon melden – so geht man vor

Unerwünschte Anrufe und Betrugsversuche am Telefon melden – so geht man vor – Die Zahl von Spam und Betrugsversuchen am Telefon hat in 2021 einen neuen Höchststand erreicht. Unter anderem wohl auch durch Corona wurden die Anrufe auch für Betrüger zu einem wichtigen Instrument um Opfer zu erreichen.

Die Bundesnetzagentur schreibt dazu:

Im Jahr 2021 haben uns so viele Beschwerden zu unerlaubter Telefonwerbung erreicht wie noch nie. Wir gehen weiterhin mit Nachdruck gegen die Unternehmen vor, die unerlaubte Telefonwerbung betreiben„, sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. „Zudem ist die in vielen Fällen zu beobachtende Rufnummernunterdrückung bei Werbeanrufen ein weiterer schwerer Rechtsverstoß zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie zulasten der rechtmäßig agierenden Wettbewerber. Mit der Verdreißigfachung des Bußgeldrahmens hat der Gesetzgeber klargestellt, dass eine Unterdrückung der Rufnummer bei Werbeanrufen inakzeptabel ist. Wir werden die Täter mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgen.

Verbraucher sind solchen Anrufen aber noch schutzlos ausgeliefert. Der Gesetzgeber hat erst die Gesetze hinsichtlich solcher Anrufe nachgeschärft und auch die Bundesnetzagentur kann aktiv werden. Dazu kann man sich auch selbst gegen Spam und Anrufe von verdächtigen Nummern absichern. Wir zeigen in diesem Artikel, was man tun kann und wie man bei Problemen mit Fake Anrufen am besten vorgeht.

HINWEIS: Die hier gezeigten Vorgehensweise gelten an sich für alle Netz und alle Tarife. Es macht also keinen Unterschied, ob man einen D1 Tarif, einen Vodafone Vertrag oder eine O2 Flatrate nutzt um gegen betrügerische Anrufe vorzugehen. Auch Prepaid Sim haben in dem Fall die gleichen Verbraucherrechte wie Allnet Flat und Handyverträge. Auch für Festnetz-Anschlüsse gelten diese Hinweise.

Beschwerde bei der Bundesnetzagentur gegen Spam- und Fake-Anrufe

Die Bundesnetzagentur ist die Aufsichtsbehörde für den Bereich Telekommunikation und kann bei Betrugsversuchen am Telefon sowohl gegen bestimmte Rufnummern als auch gegen Anbieter vorgehen. Das wird auch regelmäßig gemacht – beispielsweise werden Rufnummern komplett gesperrt und Inkassierungsverbote und Rechnungslegungsverbote verhängt. Die Kosten für bestimmte Rufnummern müssen dann nicht mehr bezahlt werden.

Besonders erfreulich: das geht in Teilen auch bei ausländischen Rufnummern, man kann also nicht nur in Deutschland gegen Fake Anrufe vorgehen, sondern auch gegen Nummern aus dem Ausland, die für Betrugsversuche genutzt werden.

Die Beschwerdeformulare der Bundesnetzagentur online:

Man kann also bei jedem Problemfall eine Rufnummern auch melden. Dabei ist es wichtig, möglichst viele Informationen zu dem Vorfall zu übermitteln, neben der Rufnummer ist auch der Zeitpunkt und das Umfeld eines Anrufs von Bedeutung und hilft der Bundesnetzagentur, zu beurteilen, ob eine Sperre angemessen ist. Die BNetzA schreibt selbst zu Informationen die man nutzen kann (und auch besser nicht nutzt):

  • Screenshot: eine Abbildung des Bildschirminhalts, einschließlich der dort aufgeführten Information über die anfallenden Gebühren;
  • Einzelverbindungsnachweis mit aufgeführten Kosten, die Ihnen in Rechnung gestellt wurden
  • Informieren Sie Ihren Telefonanbieter und fordern Sie, falls nicht im Vorfeld ein Einzelverbindungsnachweis beantragt wurde, eine nachträgliche Aufschlüsselung der Einzelverbindungen an.
  • Erklärung, ob Sie im Vorfeld eine Einwilligung für den Erhalt der Werbung erteilt haben
  • Ihr schnelles Handeln ist auch für die Beweissicherung entscheidend. Nach einer gewissen Zeit werden einige Ihrer Verbindungsdaten gelöscht. Bei möglichen Straftaten wie Telefonbetrug oder gefälschten Rufnummern kontaktieren Sie deswegen möglichst schnell die örtliche Polizeidienststelle.
  • Fangschaltung: Für zukünftig eingehende Anrufe können Sie unter Umständen die Einrichtung einer sog. Fangschaltung (MCID, englische Abkürzung für Malicious Call Identification) beantragen, um die unterdrückte Rufnummer sichtbar zu machen. Die Fangschaltung muss bereits zum Zeitpunkt des Anrufs installiert sein. Dieser Dienst ist kostenpflichtig. Fragen Sie dazu Ihren Anbieter
  • Mitschnitte: Beachten Sie, dass Sie ein Werbegespräch ohne vorherige Zustimmung des Gesprächspartners nicht aufnehmen dürfen. Sonst können Sie sich strafbar machen (§ 201 StGB).

Die Beschwerde bei der Bundesnetzagentur ist generell kostenlos, auch bei weiterführenden Maßnahmen entstehen für den Beschwerdeführer keine Kosten. Man sollte im Zweifel also auf jeden Fall diese Möglichkeit nutzen – nicht nur um sich selbst zu schützen, sondern um auch andere Nutzer vor eventuellen Betrugsversuchen zu bewahren.

Rufnummern von Spam-Versendern sperren

Wer bereits einen Spam-Anruf hatte und verhindern möchte, dass dies unter der gleichen Rufnummern wieder vorkommt, kann mittlerweile sehr einfach Maßnahmen ergreifen und die entsprechenden Rufnummer auf dem eigenen Gerät blocken. Diese Blockade sorgt dann davon, dass ein Anruf mit der jeweiligen Rufnummern direkt und automatisch abgewiesen wird ohne dass der Angerufen davon etwas mitbekommt. Man wird also gar nicht mehr mit der Entscheidung belästigt, ob man den Anruf annehmen soll oder nicht.

Moderne Smartphones bieten mittlerweile durchweg die Funktion, mit wenigen Klicks Rufnummern zu sperren.

Google schreibt zur Vorgehensweise bei Android Smartphones:

  1. Öffnen Sie die Telefon App.
  2. Tippen Sie auf das Dreipunkt-Menü => Anrufliste.
  3. Tippen Sie auf einen Anruf von der Nummer, die blockiert werden soll.
  4. Tippen Sie auf Blockieren/Spam melden.

Auch Apple bietet eine sehr einfache Möglichkeit, eine unerwünschte Rufnummer zu blockieren:

  • Führe in der App „Telefon“  beliebige der folgenden Schritte aus.
  • Tippe auf „Favoriten“, „Anrufliste“ oder „Voicemail“. Tippe auf  neben der Nummer oder der Person, die blockiert werden soll, scrolle nach unten und tippe auf „Anrufer blockieren“.
  • Tippe auf „Kontakte“, dann auf den zu blockierenden Kontakt und scrolle nach unten. Tippe dann auf „Anrufer blockieren“.

Bei Festnetzanschlüssen hängt es davon ab, welchen Router man nutzt. An sich bieten aber alle aktuellen Geräte die Möglichkeit, bestimmte Rufnummern zu blocken. Hier sollte man sich in den FAQ zum eigenen Gerät informieren.

Aktiv blockieren: mit Apps gegen Spam

Wer sich im Vorfeld bereits gegen Anrufe absichern will, die höchstwahrscheinlich unerwünscht sind oder einen betrügerischen Hintergrund haben, kann dies auf Handys und Smartphones mit Apps tun. In der Regel gibt es hinter diesen Apps dann eine zentrale Datenbank in der Rufnummern gespeichert werden, die bereits als Fake bekannt sind. Sollte so eine Rufnummer dann auf dem Smartphone mit der App angerufen, wird der Anruf direkt geblockt oder zumindest ein Warnhinweis angezeigt. Nutzer werden so aktiv vor Betrugsversuchen und unerwünschten Anrufen geschützt.

Man kann diese Funktionen beispielsweise per Smart Call bei Samsung Geräten nutzen. Das Unternehmen schreibt zu Vorgehensweise und den Hintergründen:

Zur Bereitstellung dieser Funktion erfasst das Unternehmen Hiya Daten über den Gesprächspartner, wie dessen Telefonnummer und verarbeitet diese im Einklang mit der Datenschutzrichtlinie von Hiya für Samsung-Geräte. Du kannst diese Funktion jederzeit in den Anrufeinstellungen unter dem Menüpunkt Anrufer-ID und Spam-Schutz ein- oder ausschalten.

So aktivierst du die Smart Call Funktion:
Telefon > Drei-Punkte-Symbol > Einstellungen Anrufer-ID und Spam-Schutz > Lese die angezeigten Hinweise und tippe auf Zustimmen

Wer kein Samsung Smartphone nutzt, kann sich dennoch per App gegen Fake-Anrufe und Betrugsversuche schützen. Es gibt dazu die separate TrueCaller App, die auf allen Android Geräten eingesetzt werden kann und von der Vorgehensweise genau so funktioniert wie Smart Call – die eingehende Rufnummer wird mit einer Datenbank abgeglichen und dann die entsprechenden Erfahrungen oder auch Warnungen zur Rufnummer angezeigt.

Die TrueCaller App ist sowohl für Android als auch für iOS Geräte im jeweiligen App Store verfügbar.

HINWEIS: Diese Apps funktioniert nur, wenn eine Rufnummer bereits als Spam bekannt ist. Komplett neue Rufnummern können mit diesen Apps nicht erfasst werden, daher besteht dennoch immer noch eine kleine Möglichkeit, das Fake-Anrufe durchkommen. Man sollte also dennoch Vorsicht walten lassen.

Für das Festnetz gibt es ebenfalls Blacklists mit bekannten Rufnummern, die Probleme verursachen. Diese kann man im Router (beispielsweise der Fritzbox) hinterlegen und dann werden solche Rufnummern auch direkt geblockt.

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